Oktopulli – Alles über das Label für mitwachsende Kinderkleidung aus Berlin

Können wir Mode neu denken? Wie werden wir in der Zukunft Kleidung produzieren und auch konsumieren? Slow Fashion Brands wie Oktopulli sind Vorreiter für eine Revolution in der Bekleidungsindustrie.

In Zeiten der Fast Fashion-Monopolstellung und textiler Überproduktion stellt sich für viele  GründerInnen von Bekleidungs-Labeln die Frage, ob die Produktion neuer Kleidung das Problem nicht noch befeuert oder ob es Unternehmensmodelle gibt, die sich auf dem Markt tatsächlich durchsetzen und ihn eines Tages ändern können.

Im Falle von Oktopulli ist die Antwort ein klares Ja! Das Label für ressourcenschonende, mitwachsende Kindermode ist ein absolutes Vorbild für funktionale, hochwertige und langlebige Kleidung, soziale Unternehmensstrukturen und -ziele und eine organisch wachsende Produktpalette. 

Was steckt hinter Oktopulli?

Kinderkleidung hat sich in den letzten Jahrzehnten schnitttechnisch mehr und mehr der Erwachsenenmode angepasst; dabei sind taillierte Schnitte und applizierte Details alles andere als funktional, viele Materialien zu empfindlich und die Kleidung ist den Herausforderungen eines Kinderalltags nicht gewachsen. Eine Entwicklung, beeinflusst durch die Fast Fashion Industrie, um den Konsum zu beschleunigen. 

Ein Pullover, der Bewegungsfreiheit bietet und im steten Wachstum länger als ein halbes Jahr getragen werden kann, klingt so naheliegend – und ist dennoch kaum zu finden. 

Dieses Problem haben Carla und Nancy erkannt und einen kindgerechten, mitwachsenden Schnitt entwickelt, den Oktopulli, der mit einem Modell bis zu vier Konfektionsgrößen abdeckt.

Erhältlich sind die Pullis in 2 Größen, die kleinere Größe ist vom 1.-3. Lebensjahr, die zweite Größe vom 3.-5. Lebensjahr tragbar. Das Design von Schnitt und Stoffkombinationen ist genderneutral, die Modelle sprechen alle Kinder an und können so einfach an Geschwister oder Freunde weitergeben werden. Das und die hohe Qualität der Materialien machen den Oktopulli so langlebig.

Und die Produktion? 

Für die Oktopullis werden keine neuen Stoffe produziert, sie werden aus zertifizierten Rest-, Überschuss-, B- oder Secondhand-Baumwollstoffen in Berlin gefertigt. Mehrere Bezugsquellen in Deutschland aufzuspüren ist für das Label sehr aufwendig, doch die einzige Möglichkeit, um eine Neuproduktion zu vermeiden und vor allem viele Tonnen Stoffbahnen vor der Entsorgung zu retten – kein geringer Anteil unseres textilen Mülls. 

Der Pullover steht hier im Fokus; ein Kleidungsstück, das jedes Kind braucht und ganzjährig getragen wird. Neben dem „Alltagsbegleiter“ gibt es eine Frostbeulenvariante, den „Kuschelpulli“ und ein leichteres „Longssleeve“. 

Durch das solidarische Preismodell bestimmen die KundInnen selbst, ob sie den Mindest-, den Basis-, oder den SuporterInnenpreis zahlen wollen. Carla und Nancy möchten, dass sich jeder faire Mode leisten kann. Im Shop www.oktopulli.de sind die Produktionskosten eines Oktopullis transparent aufgelistet, mit dieser Orientierung fällt die Entscheidung für den Preis leichter.

Wird es bald eine ganze Oktopulli-Garderobe geben? Carla und Nancy wollen ihr Label und deren Produktpalette organisch wachsen lassen. Das Wichtigste ist ihnen, eine Überproduktion zu vermeiden und mit der Nachfrage zu gehen, das Prinzip, um Mensch und Umwelt nicht zu belasten. 

Die Oktopulli Crew: Fahim, Nancy und Carla

Das Atelier der neuen Chancen

Gefertigt werden die Oktopullis in Berlin von Fahim, einem leidenschaftlichen Schneider mit jahrelanger Erfahrung im Nähen von Kinderkleidung. Seine Liebe für das Handwerk und hoher Anspruch an die Qualität der Nähte stecken in jedem einzelnen Oktopulli. Fahim, der 2015 aus Afghanistan floh, war im Jahr 2021 der erste Teamzuwachs, doch durch die steigende Nachfrage wird sich die Oktopulli-Crew bald vergrößern müssen. 

Dafür braucht es ein neues Atelier, ein „Atelier der neuen Chancen“, das nicht nur Werkstatt und Ladengeschäft, sondern auch ein sozialer und kreativer Raum für alle sein soll. 

Sozial, weil Nancy und Carla ihr Team um MitarbeiterInnen ergänzen wollen, denen auf dem ersten Arbeitsmarkt kaum eine Chance geboten wird. Sozial und Kreativ, weil sie die KundenInnen und vor allem Kinder vor Ort zum Austausch und zur Mitgestaltung ihrer Oktopullis einladen möchten. Das ermöglicht den stolzen TrägernInnen der Oktopullis nicht nur, ihr eigenes Design zu bestimmen, es stärkt auch das Bewusstsein für das traditionelle Handwerk. Denn welches Kind bekommt bisher eine Ahnung davon, wie aufwendig ein Kleidungsstück gefertigt wird? 

Dir gefällt das Konzept? Du kannst Oktopulli

Junge Unternehmen mit den Werten und Zielen wie sie Oktopulli verfolgen kann es nicht genug geben. Wirtschaftlich, aber nicht profitorientiert zu handeln und die Produktion lokal, sozial und nachhaltig zu gestalten ist machbar. Das zu sehen macht die Entscheidung für ein anderen Konsum für immer mehr Menschen leichter.


Unser Partner:
von: Lotta

Über die Autorin

Hey, ich bin Lotta! Ich stelle mir ständig Fragen und will wissen, wie etwas funktioniert. Genauso gerne bin ich mit den Händen kreativ. Beides zusammen vereine ich als Stoffetauschen-Autorin.

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