5 Ideen, wie du Stoffreste für Reparaturen verwerten kannst

von | 13. Aug 2022 | DIY*S, Profi-Tipps | 0 Kommentare

Inga aka Need for Needles ist eine absolute Reparaturexpertin und damit leidenschaftliche Kleidungs-Retterin. Wie hilfreich dabei deine Stoffreste sein können, zeigt sie Dir hier.

Was machst du mit Stoffresten, die du nicht mehr brauchst? Die größeren Stücke kannst
du natürlich noch super für kleinere Nähprojekte und zum Upcycling nutzen. Aber auch für
die kleineren Reststücke gibt es jede Menge Verwendungsmöglichkeiten, bevor sie in den
Müll wandern. Zum Beispiel kannst du kleine Stoffreste wunderbar für Reparaturen
verwenden (und das längst nicht nur für Flicken auf den Knien). In diesem Artikel stelle ich
dir ein paar Ideen dafür vor.

Stoffreste für Reparaturen nutzen – das sind die Vorteile

Stoffreste

Der größte Vorteil, wenn du deine Stoffreste zum Reparieren deiner Kleidung nutzt, liegt
eigentlich auf der Hand. Du musst sie weder wegwerfen, noch dir extra Stoff für Flicken kaufen oder einen schönen Stoff anschneiden, den du vielleicht später für etwas anderes verwendet hättest.

Ich finde aber die folgenden zwei Aspekte mindestens genauso wichtig:

Vorteil Nr. 1: Flicken aus gleichem Stoff wirken wahre Wunder!

Gerade bei Webware gibt es nichts Besseres, als ein Reststück vom selben Stoff übrig zu
haben, wenn sich mal ein Riss auftut. Ich persönlich finde zwar, dass unsichtbare
Reparaturen gar nicht zwingend nötig sind, aber wenn du schon ein Stück vom gleichen
Stoff da hast, kannst du es dir damit wirklich einfach machen. Lege einfach deinen Flicken
unter das Loch und nähe mit einem unauffälligen Garn in Längs- und Quernähten darüber
und schon sieht man nur noch bei sehr genauem Hinschauen, dass da mal etwas geflickt
wurde. Bewahre dir also am besten von jedem selbstgenähten Kleidungsstück einen
kleinen Stoffrest auf.

Vorteil Nr. 2: Du schaffst neue Kombinationsmöglichkeiten

Es gibt aber noch einen anderen tollen Effekt: Dadurch, dass du Stoffe verwendest, aus
denen du auch schon andere Sachen genäht hast, passen deine Reparaturen besser zu
deinen Gesamtoutfits. Je öfter du das machst, desto mehr Kombinationsmöglichkeiten
schaffst du dir und desto stimmiger wird deine Garderobe.

Wie wäre es zum Beispiel, deine nächste kaputte Jeans mit dem Stoffrest eines
selbstgenähten Shirts zu flicken? Dadurch, dass du in der Reparatur den Stoff wieder
aufgreifst, passt das so gut zusammen, dass der Flicken niemandem mehr groß auffällt
(das ist übrigens ein Praxisbeispiel und von mir in der Öffentlichkeit getestet ;-)).

Wie du Stoffreste nutzen kannst, um deine Kleidung zu reparieren

Bei den Worten „Stoffreste“ und „Reparaturen“ denken die meisten erst mal an aufgenähte
Flicken. Kein Wunder, denn das ist schließlich das, was wir mit am häufigsten sehen,
wenn es um reparierte Kleidung geht. Deshalb lasse ich genau die hier auch außen vor
und zeige dir stattdessen 5 Reparaturmöglichkeiten, an die du vielleicht nicht sofort
denken würdest.

Kaputte Hosensäume mit Stoffresten reparieren

Mit schmalen Streifen von Webstoffen kannst du kaputte Hosensäume super wieder
herrichten, ohne allzu viel kürzen zu müssen. Dafür trennst du den ursprünglichen Saum
auf und schneidest ihn bis zu der kaputten Stelle zurück. Je nach Laune und Stil deiner

Hose kannst du dann entweder unauffällig einen Stoffstreifen von Links gegen nähen oder
den Saum mit einem Stoffstreifen einfassen. Für letzteres musst du dir den Streifen
zunächst wie Schrägband zurecht bügeln. Wie das einfach geht, habe ich hier mal
beschrieben
.

Löcher an Gesäßtaschen verstecken

Löcher am Hintern deiner Hose sind leider schwierig unauffällig zu flicken, weil es so eine
präsente Stelle ist. Besser als „nur fast unauffällig“ ist oft eine sichtbare Variante, die aber
aussieht, als wäre sie schon immer so im Design gewesen. Zum Beispiel kannst du dir aus
einem ähnlichen Stoff wie deinem Hosenstoff eine Taschenattrappe zuschneiden und
diese unter die eigentliche Tasche nähen. Wenn du das ganze beidseitig machst, sieht es
noch stimmiger aus. Aber Achtung: Du solltest trotzdem unbedingt vorher das Loch von
links mit einem dünnen Stoff oder Vlieseline abdecken und mit ein paar Nähten sichern.

Gesäßtasche

Taschenattrappe

Klassische Flicken sind ja allgemein bekannt, aber hast du schon mal Negativflicken
ausprobiert? Statt ein Loch in deiner Kleidung von außen mit einem Flicken zu
überdecken, wird hier der Flicken auf der linken Stoffseite angebracht und der kaputte
Stoff knapp neben der Naht weggeschnitten, so dass der Flicken deutlich zu sehen ist.
Das schöne ist, dass du hier total frei in der Auswahl der Form bist und die Methode auch
da nutzen kannst, wo ein von außen aufgenähter Flicken komisch aussähe. Egal ob Rock,
Hose oder Oberteil, damit machst du aus einem Loch im Stoff auf jeden Fall ein
Designelement.


Eine Anleitung zum Einnähen von Negativflicken kannst du dir hier kostenlos herunterladen:

Freebie-Reparaturtechnikent


DIY-Label aus Webware-Resten aufnähen

Gerade auf Blusen oder Kleidern aus sehr feinen Stoffen machen sich klassische Flicken
nicht gut, weil sie zum einen auf den leichten Stoffen zu sehr ins Auge springen und zum
anderen den Fall des Stoffs beeinflussen. Auch mit klassischem Stopfen solltest du hier
vorsichtig sein. Kleinere Risse oder Löcher kannst du trotzdem leicht überdecken, ohne
dass es jemandem als Reparatur ins Auge springt.
Dafür nimmst du dir ein rechteckiges Stück Webware in der passenden Größe und bügelst
die Stoffränder nach innen. Wenn du es ganz individuell haben willst, kannst du dir das
zukünftige Label noch bedrucken oder besticken. Stecke es dann auf deinem
Kleidungsstück über der kaputten Stelle fest und nähe es mit einem Geradstich
knappkantig an. Wenn du fürchtest, dass sich der dünne Stoff unter der Maschine verzieht,
kannst du das Label vor dem Nähen auch vorsichtig mit Sprühkleber oder
wasserlöslichem Klebestift befestigen.

Kaputte Seitennähte mit Jerseystreifen überdecken

Längere schmale Stoffstreifen bleiben bei fast jedem Nähprojekt über. Aus Jersey kannst
du sie super nutzen, um abgewetzte Seitennähte an Sweatshirts zu kaschieren. Du
brauchst dafür pro Naht einen Streifen, der ca. 3 cm breit und etwas länger als die kaputte

Naht ist (möglichst längs zum Fadenlauf bzw. zur Strickrichtung). Diesen Streifen schlägst
du an den Längsseiten nach innen ein und bügelst ihn flach. Dann trennst du die Nähte,
die an deine kaputte Naht grenzen auf (bei einem Pulli z. B. Schulternaht und Bundnaht)
und steckst dir deinen Jerseystreifen so über die Seitennaht, dass die kaputten Stellen
überdeckt werden. Du musst jetzt nur noch den Stoffstreifen fest steppen und die
geöffneten Nähte wieder so schließen, dass der Streifen dort mit eingefasst ist.

Fazit: Kleidung mit Stoffresten reparieren ist nicht nur einfach, sondern auch vielseitig

Du siehst also, dass sich selbst für die kleinsten Stoffreste noch super für Reparaturen
nutzen lassen. Es lohnt sich also, immer ein paar kleinere Stücke parat zu haben für den
Fall, dass mal eins deiner Lieblingsteile kaputtgeht. Um nicht irgendwann in Bergen von
Stofffetzen zu versinken würde ich dir aber empfehlen, nur ganz gezielt die Reste für
Reparaturen aufzubewahren, von denen du schon weißt, dass sich Stoff und Form dafür
eignen. Alle anderen Reste kannst du nämlich auch super für andere kleine Nähprojekte
verwenden oder als Füllmaterial für Bügeleier oder Stofftiere nehmen.


Wenn du mehr über stimmige Reparaturen lernen willst, melde dich übrigens gerne zu
meinem Live-Workshop In 3 Schritten zu Reparaturen in deinem Stil an, der am 29.8.
stattfindet. Genaueres dazu kannst du hier erfahren:


Liebe Grüße
Inga




von: Inga

Über die Autorin

Hi, ich bin Inga und Kleidung ein zweites (oder drittes) Leben zu schenken ist meine Leidenschaft. Auf meinem Blog www.needforneedles.de findest du deshalb jede Menge Ideen und Anleitungen, wie du deine Kleidung selbst reparieren und ändern kannst. Du findest mich außerdem auf Instagram. Webseite Instagram Hat dir mein Artikel gefallen? Hast du eine Frage oder Anmerkung? Schreibe mir gern einen Kommentar

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