#Flickenfreitag – vom gegenseitigen Motivieren und Inspirieren

von | 8. Jul 2021 | Aus dem Nähkästchen | 0 Kommentare

Reparieren statt wegwerfen, längst Vergessenes wieder neu entdecken, ein Glücksgefühl über das alte neue Stück - dazu motiviert der #flickenfreitag, initiiert von Julia alias @_tuet
Flickenfreitag

Ich will mal die mutige Behauptung niederschreiben, dass es in jedem Haushalt diesen kleinen Stapel gibt, der nach Aufmerksamkeit ruft und doch nur staubiger wird: Der Stapel mit der Flickwäsche. Das kleine Loch, die gelöste Naht, der Knopf, der am seidenen Faden hängt. Alles Dinge, die mit wenig bis gar keiner Näh-Erfahrung zu retten sind, und doch liegen sie da, über Wochen und Monate. 

Und genau um diese Teile geht es beim #Flickenfreitag – einen Hashtag, den ich nach Vorlage des englischen #Mendingmonday im August 2019 in die Instagram-Welt geworfen habe.

Jeder Freitag ist Flickenfreitag

Seitdem poste ich jeden Freitag ein Bild zum Thema, und viele haben sich mir angeschlossen, da scheint meine Intention erfüllt zu werden: Andere inspirieren und motivieren. Ich wette mit euch, wenn ihr euch jetzt unter dem Hashtag die Bilder anschaut, fällt euch sofort ein bestimmtes Teil aus eurem Kleiderschrank ein, das ihr mit wenig Aufwand wieder tragbar machen könnt. Und schon kribbelt es in den Fingern!

Flickenfreitag – Ein Tag, viele Möglichkeiten

Der Flickenfreitag bietet unglaublich viele Möglichkeiten. Von Löchern in Wollsocken zu ausgerissenen Reißverschlüssen oder Upcycling. Fast jede Woche ist eine Jeans dabei – verständlich, wenn erstmal eine gut sitzende gefunden ist, dann will man sie ja auch so lange wie möglich tragen können! Es gab aber auch schon Gartenmöbel, eine Tupperdose mit einem im 3D Drucker produziertem Ersatzteil oder auch Schuhe. Es wird geflickt, geklebt, genäht, gestickt. Alte Bündchen werden ersetzt, abgenutzte Säume neu umgenäht. Aus alten Kleidungsstücken werden neue, aus nicht mehr gefallenden oder nicht sitzenden wird durch ein paar Änderungen etwas neues. Rock aus altem Kleid, Top aus Bluse oder Hemd, die Möglichkeiten sind unendlich!

Kleidung verdient Respekt

Die Beiträge anderer zu dem Hashtag poste ich dann in meinen Stories, um die Inspiration zu teilen. Manchmal sind es nur zwei weitere, die mitmachen, manchmal auch zehn. Das ist mir aber gar nicht wichtig, denn jedes einzelne Stück, das vor der Tonne gerettet wird, macht so viel aus! Neben der Inspiration von anderen Menschen steckt nämlich auch mein Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit. Mehr Wertschätzung für Kleidung und die Personen dahinter, die erst das Material, und dann das Stück selbst hergestellt haben. Diesen Respekt hat sich eure Kleidung verdient. Wenn ihr selbst keinen Spaß am Flicken habt oder es nicht könnt, gibt es sicherlich jemandem im Bekanntenkreis oder einen guten Schneider in der Stadt, der das für euch zu einem geringen Preis erledigt. Es gibt auch schon aufs Flicken spezialisierte Profile zum Beispiel auf Instagram, die Auftragsarbeiten annehmen. Trotzdem lohnt sich das Austesten der eigenen Fähigkeiten. Denn: wenn das betreffende Stück ansonsten sowieso im Müll landet – dann kann man ruhig ein wenig daran herumexperimentieren. Im besten Fall klappt es, wenn nicht: Was soll‘s! Dazugelernt und ausprobiert. Ich habe auch keinen Kurs belegt und mache meistens, was mir so einfällt. 

Stapel der Schande

Wenn man weiß, wie man seiner Kleidung eine längere Lebensdauer bescheren kann, fällt der Kauf von nachhaltiger und dann ja oft etwas teurer Kleidung leichter. Das gleiche trifft auf Stoffe zu, auch hier sind die Preise deutlich höher, je mehr man Umwelt und Menschen schonen will. 

Trotzdem liegen auch bei mir die zu reparierenden Kleidungsstücke eine Weile auf ihrem Schandstapel und warten auf meine Hände. Warum? Vielleicht, weil der Reiz des Neuen fehlt. Die Klamotte ist bekannt, das einzige, was sich durch das Reparieren ändert, ist die Nutzbarkeit. Der Aufwand ist meistens gering, und trotzdem schiebe ich es vor mir her. Und wenn erstmal im Freundes- und Bekanntenkreis publik wird, dass man näht, landen auch oft Teile aus anderen Haushalten auf diesem Stapel. Zumindest, wenn Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft Charakterzüge sind, die einen auszeichnen. Allerdings fällt es mir oft leichter, Kleidung von anderen zu reparieren, und damit finde ich oft einen Anfang, der dafür sorgt, dass ich mich durch den Stapel durcharbeite.

Gruppenzwang ist besser als gar kein Zwang

Und was hilft immer, bei unliebsamen Aufgaben? Gruppenzwang. Vorbilder. So wie der Kurs im Fitnessstudio hilft es, mit anderen zusammen an etwas heranzugehen. Daher der Flickenfreitag.

Für mich ist die Aktion auf jeden Fall mittlerweile ein großer Motivator. Allein schon, weil ich recht pflichtbewusst bin und natürlich selbst jeden Freitag etwas zeigen möchte. Ich freue mich also schon fast, wenn ich irgendwo ein Loch entdecke, weil es Nachschub bedeutet. Dann wird das Handy gezückt, ein vorher Foto gemacht und repariert. 

Flicken bedeutet Wertschätzen

Wie wir mit unseren Besitztümern umgehen, sagt viel darüber aus, welchen Wert wir ihnen zuschreiben. Ein Fahrrad mit Loch im Reifen wird selten entsorgt, meistens geflickt. Ein Schrank mit einer Macke wird weitergenutzt, vielleicht abgeschliffen, wenn es möglich ist, oder neu gestrichen. Eine Socke mit einem Loch? Landet häufig aus diesem Grund im Müll. Dabei wären nur ein paar Stiche nötig, und sie wäre wieder voll funktionsfähig. Und lange dauert es auch nicht. 

Ich flicke mittlerweile eigentlich gerne, sobald ich erstmal damit begonnen habe. Ist wie beim Aufräumen. Und ich freue mich, wenn ich andere damit anstecke. Also, hoffentlich bis bald beim Flickenfreitag!


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von: Julia

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